Er rennt und rennt – selbst in der Wüste

Eric Christen

Ein eiserner Wille gehört zweifellos zu seiner Persönlichkeit: Eric Christen absolvierte ein berufsbegleitendes Hochschulstudium und erwarb mit 42 Jahren einen MBA (Master Business Administration). Danach befindet er sich in einem Dilemma – was soll er mit der vielen Freizeit anfangen? Weil er sich gerne in der Natur bewegt, beginnt Eric Christen mit Laufen, rein zum Vergnügen!

 

Ihren ersten Lauf haben Sie mit 45 Jahren bestritten. Was ist Ihnen in Erinnerung geblieben?

Ein Kollege hat mich überredet, an einem regionalen Lauf über 8 km teilzunehmen. Ich war nicht besonders begeistert, die Stimmung gefiel mir dann aber.

 

Spass machte Ihnen also nicht nur das Laufen, sondern auch die Ambiance. Wie ging es weiter?

Ich habe mehr trainiert und an anderen klassischen Läufen wie Murten–Freiburg teilgenommen. Langsam kamen immer mehr Kilometer hinzu, und schliesslich wagte ich mich an Marathonrennen, unter anderem in New York.

 

Wie sind Sie dann auf den Ultra Trail gekommen, zu dem es nochmals ein grosser Schritt ist?

2015 stellte mir ein Freund die wohl nicht ganz ernst gemeinte Frage, ob ich mich nicht auch noch am Marathon des Sables (MDS)* beweisen wolle. Die Idee reizte mich. Es sollte mein eigenes Geschenk auf den 50. Geburtstag werden!

 

Der MDS ist eine Etappe der Ultra-Trail World Tour und gilt als eine der schwierigsten Strecken der Welt. Was ist am Ultra Trail besonders – abgesehen von der Distanz, die in 6 Etappen über 255 km führt, teilweise nachts und einmal nonstop über 80 km?

Der MDS findet in der südlichen Wüste Marokkos statt, einer atemberaubenden, vielfältigen Gegend, die aber schwere Bedingungen bietet: Die Temperatur kann bis auf 50 Grad steigen, es gibt Sandstürme, das Terrain besteht aus Sanddünen, Hügeln, Wadis. Beim MDS muss man sich selber verpflegen. Deshalb tragen alle einen Rucksack mit Essen für eine Woche mit sich, nur Wasser wird zur Verfügung gestellt!

Sie sind gerade von der Transgrancanaria zurück, einem Wettkampf über 125 km in einer Etappe mit 8000 positiven Höhenmetern. Welches sind Ihre nächsten Ziele?

Ich habe viele Pläne, der nächste ist jedoch die «Diagonale des fous» auf der Insel La Réunion. Die Distanz beträgt 167 km und ist mit den 9950 positiven Höhenmetern in einer Etappe und maximal 60 Stunden zu bewältigen.

 

Mit Eric Christen sprach Serge C. Ducret, www.vitamag.ch