Forschungspreis 2011 der Schweizerischen Herzstiftung

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Jeder zehnte Patient, der auf eine Notfallstation kommt, klagt über ein plötzliches Druckgefühl im Brustkorb. Neue Bluttests erlauben nun, innert kürzester Frist zu erkennen, wer einen Herzinfarkt hat. Dass sich diese verbesserte Diagnosemethode bewährt, haben Kardiologen um Tobias Reichlin vom Universitätsspital Basel bewiesen. Reichlin und sein Team erforschten dafür die drei Hauptpfeiler der bisherigen Herzinfarktdiagnose: die Befragung und Untersuchung des Patienten, die Herzstromkurve (EKG) und die Bluttests.

Den Haupterfolg erzielte der junge Arzt bei den Bluttests: Bisher konnten durch den Infarkt geschädigte Herzmuskelzellen erst vier bis sechs Stunden nach dem Infarkt im Blut nachgewiesen werden. Mit den neuen Tests ist diese Frist erheblich kürzer, und die Ergebnisse sind genauer. Die Heilungsaussichten Betroffener verbessern sich durch den Zeitgewinn entscheidend. Gleichzeitig ermöglicht die Methode den Notfallärzten, rasch Entwarnung zu geben, wenn die Beschwerden im Brustraum andere, in der Regel harmlose Ursachen haben. Diesen Patienten ersparen die hochsensiblen Bluttests eine unnötige stundenlange Intensivüberwachung im Spital.

Tobias Reichlin wurde für seine Studien1 von der Schweizerischen Herzstiftung, dem Schweizerischen Nationalfonds und dem Universitätsspital Basel unterstützt. 

Schutz vor Hirnschlag

Mit einem anderen Teil unseres Gefässsystems befasst sich als weiterer Preisträger Leo Bonati von der Neurologischen Klinik des Universitätsspitals Basel: Er vergleicht unterschiedliche Behandlungsmethoden von Patienten, in deren Halsschlagader (Karotis) sich durch die Gefässkrankheit Atherosklerose Ablagerungen gebildet haben. Brechen diese Ablagerungen auf, können Teilchen davon mit dem Blutstrom in den Kopf gelangen und im schlimmsten Fall einen Hirnschlag verursachen. Als Standardtherapie bei Anzeichen für die Gefässkrankheit gilt seit den frühen Neunzigerjahren die chirurgische Entfernung der Ablagerungen.

Die Operation erfordert allerdings einen Einschnitt am Hals, der zu Verletzungen von Nerven oder einer Blutung führen kann. Deshalb wurde in den vergangenen Jahren zunehmend die Behandlung mittels Katheter angewendet, wie sie für Herzkranzgefässe schon länger bekannt ist. Dabei wird die verengte Halsschlagader über einen in der Leiste eingeführten Katheter mit einem kleinen Ballon oder einem Stent erweitert, einem Röhrchen aus Drahtgeflecht. Auch bei dieser «schonenderen» Technik erlitten allerdings in einer Studie zehn von hundert Patienten im ersten Monat nach dem Eingriff einen Hirnschlag. Ausserdem kam es häufiger als nach der Operation zu erneuten Verengungen der behandelten Gefässe.

Leo Bonati und sein Team haben nun die beiden Behandlungen bestimmten Patientengruppen zuordnen können: Gemäss ihren Ergebnissen profitieren ältere Erkrankte über 70 Jahren mehr von einer Operation. Dies möglicherweise, weil sich in ihren stärker geschädigten Gefässen bereits bei der Einführung eines Katheters Plaque-Teilchen lösen und einen Hirnschlag verursachen können. Bei jüngeren Patienten dagegen scheint sich die Behandlung mit Katheter und Stent als gute Alternative zur Operation anzubieten. Dank diesen Erkenntnissen kann das Risiko der Patienten für Komplikationen nach der Behandlung ihrer Karotisverengung verringert werden. Leo Bonati wurde für seine Studien2 vom Schweizerischen Nationalfonds und der Universität Basel unterstützt.

Übergabe am 3. Mai in Bern

Die Herzstiftung verleiht den mit 20’000 Franken dotierten Forschungspreis jährlich für eine oder mehrere hervorragende wissenschaftliche Forschungsarbeit(en) auf dem Gebiet der Prävention, Diagnose und Behandlung der Herz-Kreislauf-Krankheiten. Die Übergabe findet am 3. Mai im Rahmen des Benefizanlasses «Swissheart Gala» im Kulturcasino Bern statt.

www.swissheart.ch

 

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