Erste künstliche Retina der Schweiz in Lausanne implantiert!

Die erste kommerzielle Implantation des Netzhaut-Prothesen-Systems Argus II wurde 2014 in der Jules-Gonin-Augenklinik, Abteilung Ophthalmologie, der Universität Lausanne erfolgreich durchgeführt. Die Prothese wurde von Professor Thomas J. Wolfensberger bei einem Patienten implantiert, der als Folge einer Retinitis pigmentosa erblindet war.
 

Die Netzhaut-Prothese Argus II

Das Netzhaut-Prothesen-System Argus II, auch bekannt als «bionisches Auge» oder «künstliche Netzhaut», ist das Ergebnis zwanzigjähriger Forschung und Entwicklung mit dem Ziel, blinde Menschen wieder sehen zu lassen. Es handelt sich um das bislang erste und einzige in den USA und Europa
zugelassene Implantat für die teilweise Wiederherstellung der Sehkraft bei gewissen Formen der Netzhautdegeneration. Heute benutzen weltweit über 90 Patientinnen und Patienten dieses Implantat, und die Ersten, die von dieser revolutionären Behandlung profitieren durften, blicken bereits auf eine 7-jährige klinische Erfahrung zurück.

Grosse Zufriedenheit

«Ich bin hocherfreut über diese erste Implantation an der Jules-Gonin- Augenklinik», sagt Prof. Thomas J. Wolfensberger, «es erfüllt uns mit grosser Befriedigung, dass die Medizin nun erblindeten Menschen eine konkrete Lösung bieten kann, mit der sie eine gewisse Sehkraft für den Alltag zurückerlangen und wieder selbständiger werden und ihre Lebensqualität verbessern können.» Diese Therapie richtet sich an Blinde, deren Restsehkraft infolge einer degenerativen Krankheit, wie zum Beispiel einer Retinitis pigmentosa, stark vermindert ist, und die motiviert sind.

Selbständige Verwendung

Prof. Wolfensberger betont, dass der chirurgische Eingriff problemlos verlief und sich der Patient gut erholt hat. Die Aktivierung der Prothese begann nach drei Wochen, und das System Argus II wurde sukzessive für die spezifischen Bedürfnisse des Patienten programmiert. Nach ein paar Wochen
konnte er es bereits selbständig einsetzen und die visuelle Rehabilitation gemeinsam mit den Low-Vision-Spezialisten von Second Sight und der Rehabilitationsabteilung der Augenklinik in Angriff nehmen.

Wie funktioniert Argus II?

Argus II ist ein von Second Sight Medical Products entwickeltes biomedizinisches Gerät der zweiten Generation für Blinde, die an einer degenerativen Krankheit der peripheren Netzhaut leiden, zum Beispiel einer Retinitis pigmentosa. Eine winzige Kamera in einer Brille nimmt die Bilder auf und sendet
sie an einen kleinen vom Patienten getragenen Computer. Dieser Computer verarbeitet die Signale und sendet sie über eine drahtlose Verbindung ans Implantat weiter. Diese Signale werden an eine Elektrodenmatrix an der Oberfläche der Retina gesendet, von der kleine elektrische Impulse ausgehen. Diese Impulse umgehen die geschädigten Fotorezeptoren und stimulieren die verbleibenden Retinazellen. Durch den Sehnerv ans Gehirn weitergeleitet, erzeugen diese Informationen eine Wahrnehmung von Lichtmustern. Der Patient muss dann lernen, diese Muster zu interpretieren, um ein gewisses funktionales Sehen zurückzuerlangen.

Ein Meilenstein

Dr. Grégoire Cosendai, Vizepräsident der europäischen Vertretung von Second Sight, fügt hinzu: «Wir sind besonders glücklich über diese Schweizer Premiere an der Lausanner Augenklinik, mit der wir seit einigen Jahren zusammenarbeiten. Nach der Genehmigung durch die US-Arzneimittelbehörde FDA und der Zulassung zum europäischen Markt ist diese Etappe für das Unternehmen und die Augenheilkunde ein Meilenstein.»

Von den Krankenkassen vergütet

Grégoire Cosendai präzisiert, dass das System Argus II aktuell in mehreren europäischen Ländern erhältlich und kassenzulässig ist (insbesondere in Deutschland, Frankreich und Italien) und dass sich Second Sight aktiv um die Einrichtung mehrerer Kompetenzzentren in Europa bemüht.
Die Einrichtung dieser Zentren wurde dank der Unterstützung privater Gönner sowie der Stiftung Asile des Aveugles, zu der auch die Lausanner Augenklinik gehört, möglich. Dort hofft man, dass die erste Operation in der Schweiz den Grundstein für eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen legt, damit alle Betroffenen, für die sich das Implantat eignet, auch davon profitieren können.

Die Jules-Gonin-Augenklinik

Die ophthalmologische Abteilung der Universität Lausanne, die Jules-Gonin-Augenklinik, verfügt über renommiertes klinisches Know-how, gepaart mit Spitzenforschung, und hat sich so zu einem internationalen Referenzzentrum der Augenheilkunde etabliert. Zusammen mit der Stiftung Asile des Aveugles setzen sich rund 600 Mitarbeitende täglich für die Augengesundheit und Erhaltung der Sehkraft ein.

Second Sight

Second Sight ist eine 1998 bei Los Angeles, Kalifornien, gegründete Firma, deren europäischer Hauptsitz sich seit 2006 im Innovation Park der ETH Lausanne (EPFL) befindet. Second Sight ist weltweit führend in der Wiederherstellung der Sehkraft blinder Menschen.

Wir danken dem Jules-Gonin-Spital für die Zusammenarbeit.

Photos: Jules-Gonin-Augenspital und Second Sight

Serge C. Ducret
Éditeur de vitamag®

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