Eingewachsene Nägel sind nicht immer einfach zu behandeln

Manchmal reichen ein Desinfektionsmittel und einige Pflaster, um des eingewachsenen Nagels Herr zu werden. Das Nagelproblem kann aber auch gravierender sein und einen chirurgischen Eingriff oder eine Spezialbehandlung erforderlich machen.

Dr. Carine Houriet, Assistenzärztin an der Klinik für Dermatologie am Berner Inselspital, arbeitet regelmässig mit dem deutschen Dermatologen Prof. Eckart Hanecke zusammen. Dieser Spezialist hat eine neue Behandlungsmethode für eingewachsene Nägel entwickelt: die Phenolisierung. Mehr darüber erfahren Sie im Interview mit der Berner Ärztin.

Vitamag: Welches sind die Vorteile der Phenolisierungsmethode im Vergleich zum herkömmlichen chirurgischen Eingriff?
Dr. Houriet: Der grosse Vorteil besteht darin, dass im Vergleich zur noch weit verbreiteten Nagelkeilexzision einerseits die Heilungszeit deutlich kürzer ist und andererseits die Gefahr eines schmerzhaften Nachwachsens des Nagels im Operationsgebiet, eines sogenannten Rezidivs, deutlich geringer ist. Auch das ästhetische Resultat ist mit unserer Methode deutlich besser.

Wie sieht es aus mit der Rezidivproblematik?
Das Rezidiv ist, wie zuvor erwähnt, bei der Nagelkeilexzision weitaus häufiger, da nicht in jedem Falle auch alle Anteile der Nagelmatrix entfernt werden. Wächst nun der Nagel nach, führt dies zu starken Schmerzen. Mittels Phenol, einer ätzenden und gleichzeitig desinfizierenden und lokalanästhetisch wirksamen Substanz wird bei der von uns angewandten Methode der seitliche Anteil der Nagelmatrix verödet, so dass der Nagel in diesem Bereich nicht mehr nachwachsen kann. Dadurch wird die Rezidivrate deutlich auf ca. 1% gesenkt.

Was ist das Wichtigste auf präventiver Ebene?
Eingewachsene Nägel, insbesondere am grossen Zeh, sind ein sehr weit verbreitetes Problem. Personen mit starker Nagelkrümmung sind dazu prädisponiert. Durch vermehrten Druck, z. B. durch ungeeignetes Schuhwerk, aber auch bei mangelhafter Fusspflege, kommt es durch den Druck des Nagels zu einer Verletzung des Nagelwalls und in der Folge zu Schmerzen und Infektionen. Der Zehennagel sollte optimalerweise gerade (nicht rund) geschnitten werden. Bei beginnendem Einwachsen hilft das Einlegen eines Gazestreifens unter den seitlichen Nagelrand oder eine Schienung des Nagels.

Dr. Houriet in Zusammenarbeit mit Isabelle Hulmann