Break The Chain ? Start der Kampagne für schwule Männer mit neuartigem App

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Männer, die Sex mit Männern haben sind weiterhin stark von der Zunahme der HIVInfektionen betroffen. Es hat sich gezeigt, dass sich das Virus über «Infektionsketten» sehr schnell verbreiten kann. Der aktuellste Fall davon wurde soeben im Kanton St. Gallen publik, wo sich innert kürzester Zeit 14 Personen infiziert haben. Dies soll sich nun ändern: Break The Chain, eine neue Gesundheitskampagne von Checkpoint Zürich und Genf, will die HIVInfektionsketten bei schwulen Männern unterbrechen. Zentraler Bestandteil der Aktion ist ein neues Smartphone-App, das ab heute heruntergeladen werden kann. «Dieses App ist eine absolute Neuheit», sagt der Projektleiter Andreas Lehner. «Es zeigt den Männern auf, ob sie aufgrund ihres Sexverhaltens Teil einer HIV-Infektionskette sein könnten.» Anschliessend erhält jeder Teilnehmer Empfehlungen für seinen Einsatz im Rahmen der Kampagne im April. Dann nämlich sollen in der Gay Community der ganzen Schweiz konsequent neue HIVInfektionen verhindert werden. Wenn sich möglichst viele schwule Männer einen Monat lang beteiligen, kann die HIV-Epidemie deutlich eingedämmt werden, wie Berechnungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) ergeben.

Ein Projekt der Gay Community

Schwule schützen sich überdurchschnittlich gut und kennen die HIV-Präventionsregeln. Doch dies reicht offensichtlich nicht aus. Deshalb setzt Break The Chain auf einen zusätzlichen Effort: Jeder kann mit dem App selber wählen, wozu er sich im April verpflichten möchte, um ein Monat lang HIV-Infektionen zu vermeiden. Die effektivste Massnahme ist dabei sicher, keinen ungeschützten Analverkehr zu haben. Dies fällt leichter, wenn interessante alternative Angebote und Events locken. «Break The Chain ist klar ein Projekt der Schwulenszene», sagt Andreas Lehner. «Es ziehen alle mit, auch die Vereine, Bars und Clubs».

Risiko Primoinfektion

Die meisten schwulen Männer stecken sich bei jemandem an, der selbst nicht weiss, dass er HIV-positiv ist und sich erst vor kurzem angesteckt hat. Denn in den ersten Monaten nach der HIV-Infektion ist man besonders ansteckend. Das Übertragungsrisiko steigt in dieser Zeit um den Faktor 20 bis 100. Ein einziger ungeschützter Analverkehr kann schon zu einer Ansteckung führen. Hinzu kommt, dass schwule Männer oft parallele Beziehungen unterhalten. Innerhalb solcher Netzwerke ist das Vertrauen hoch und man verzichtet gegenseitig auf das Präservativ. Infiziert sich eine Person frisch mit dem HI-Virus, stecken sich rasch weitere Personen an – wie kürzlich offenbar auch in St. Gallen. «Wenn wir es schaffen, die HIV-Infektionsketten zu unterbrechen, wird die Gay Community insgesamt sicherer», erklärt Andreas Lehner. Break The Chain findet vom 1. bis 30. April statt. Das Break The Chain App kann jetzt bereits auf das Smartphone geladen werden. Weitere Informationen auf: www.BreakTheChain.ch

Weitere Informationen:

Andreas Lehner Tel. 079 633 48 03 Projektleiter Break The Chain, Checkpoint Zürich

Hans Peter Waltisberg, Tel. 044 455 59 00, Checkpoint Zürich

Jen Haas, Tel. 043 266 88 56

Break The Chain

Break The Chain Break The Chain ist die neue Gesundheitskampagne zur Reduktion von HIV-Infektionen in der Gay Community, die im Rahmen eines Urgent Action Plans des BAG finanziert und von Checkpoint Zürich und Genf zusammen mit der Aids-Hilfe Schweiz durchgeführt wird. Ziel ist, dass es in der Schweiz im Aktionsmonat keine neuen HIV-Infektionen mehr gibt. Dazu müssen alle mitmachen und ihren Einsatz im April für die Kampagne deklarieren. In der Schweiz betreffen momentan über die Hälfte der HIV-Neuinfektionen schwule Männer. Ohne eine zusätzliche Gesundheitskampagne würde sich die Anzahl schwuler Männer mit einer HIV-Infektion bis 2020 voraussichtlich verdoppeln.

Checkpoint Zürich

Der Checkpoint Zürich an der Konradstrasse 1 besteht seit 2006 und ist das erste und bislang einzige Gesundheitszentrum für schwule Männer in der Deutschschweiz. Angeboten werden unter anderem: HIV-Tests, Diagnose und Behandlung von sexuell übertragbaren Infektionen, Post-Expositions-Prophylaxe (HIV-PEP) nach HIV-Risiko-Situation, Beratung von Einzelpersonen und Paaren sowie Peer-to-Peer-Projekte für Menschen mit HIV. Jährlich führt der Checkpoint Zürich rund 2000 HIV-Tests durch und bewerkstelligt mit Checkpoint Mobil über 40 Einsätze in der Gay-Szene. Checkpoint Zürich ist eine Dienstleistung der Zürcher Aids-Hilfe (ZAH) und der ARUD Zürich. Im Checkpoint tätig sind momentan zehn Pflegefachleute, zehn Personen in der Beratung, drei Ärzte und ein Psychologe, das Checkpoint Mobil Team besteht aus ca. 20 Personen aus Medizin und Beratung. Mehr zu Checkpoint und zu den Öffnungszeiten unter: checkpoint-zh.ch