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Allergische Rhinitis

Allergiker mögen sich zuweilen mit der Tatsache trösten, dass es ihnen an Leidensgenossen beileibe nicht fehlt. Ganze 20% der Schweizer Bevölkerung sind auf irgend etwas allergisch: Katzenhaar, Hausstaubmilben, Pollen, Nahrungsmittel, chemische Produkte usw. Epidemiologische Studien zeigen weiter, dass die Häufigkeit der meisten Allergien in den letzten 20 bis 30 Jahren erheblich zugenommen hat. Unter den zahlreichen Ursachen stehen Umweltfaktoren zweifellos an erster Stelle, und darunter insbesondere die Luftverschmutzung.

Der 1906 von Pirquet eingeführte Begriff Allergie beschrieb die frühestens beim zweiten Kontakt veränderte Reaktivität „eines Wirtes, der einem Erreger begegnet“. Der Begriff sagte somit nichts aus über die Art der Immunantwort. Heute gilt das Wort Allergie als Synonym für das, was die Wissenschaft als „Überempfindlichkeitsreaktionen vom Typ I“ bezeichnet.

Das mit der Abwehr unzähliger Krankheitserreger wie Viren, Bakterien und Pilze betraute Immunsystem reagiert im Falle einer Allergie also überempfindlich und entwickelt sozusagen ein Fehlverhalten. Die eindringenden Antigene (zumeist Eiweisse) veranlassen den Körper, zur Abwehr Antikörper (Immunglobuline) herzustellen. Obwohl diese Antigene eigentlich harmlos sind, reagiert der Körper somit, als ob sie eine ernsthafte Bedrohung (wie zum Beispiel Viren oder Bakterien) darstellten. Insgesamt sind 5 Immunglobuline bekannt; im Zusammenhang mit Allergien ist aber zumeist vom Immunglobulin E (IgE) die Rede. Beim ersten Eindringen eines Antigens in den Körper stellt dieser eigens für dieses Antigen ein IgE her (das man sich wie einen in sein Schloss passenden Schlüssel vorstellen kann). Dieses IgE lagert sich einer spezifischen Zelle des Immunsystems, der Mastzelle, an. Die Mastzellen befinden sich im Bindegewebe und in den Schleimhäuten von Nase, Verdauungstrakt und Lungen. Kommt nun die Verbindung Mastzelle -1gE erneut mit dem gleichen Antigen in Kontakt, bindet sich das der Mastzelle angelagerte IgE an das Antigen, was die Freisetzung der in der Mastzelle enthaltenen Substanzen zur Folge hat. Es handelt sich dabei um Mittlersubstanzen, welche die eigentliche Allergie auslösen.

Die Art der allergischen Reaktion Hängt vom Sitz der betreffenden Mastzellen ab: Befinden sich diese in der Nase, spricht man von einer allergischen Rhinitis, in der Haut von atopischer Dermatitis, in den Lungen von Asthma, im Verdauungstrakt schliesslich von Nahrungsmittelallergien.

Allergien haben aber auch eine erbliche Komponente. Allergien wie Asthma, Rhinitis, Nesselfieber, Ekzem und Dermatitis, in denen die familiäre, erbliche Prädisposition eine Rolle spielt, werden als atopische Erkrankungen bezeichnet. Ein Kind mit einem allergischen Elternteil wird mit dreissigprozentiger Wahrscheinlichkeit auch allergisch. Sind beide Eltern Allergiker, steigt das Risiko auf 60%.

Die Allergie ist ein weites Feld. Wenden wir uns deshalb einer Art, der allergischen Rhinitis, zu. Ausgelöst wird diese durch den Kontakt eingeatmeter Allergene wie Pollen und Hausstaub mit der Nasenschleimhaut. Man unterscheidet zwischen zwei Arten der allergischen Rhinitis:

  1. die von der Pollenbelastung abhängige, saisongebundene Rhinitis (auch Heuschnupfen, Heufieber oder Pollinosis genannt) ,
  2. die chronische allergische Rhinitis, deren Auslöser nicht saisonbedingt, sondern das ganze Jahr über präsent sind.

Die Symptome, deren Stärke je nach Person variiert, sind in beiden Fällen eine Folge der Schwellung der Blutgefässe (Hyperämie) in der Nasenschleimhaut. Die erhöhte Schleimabsonderung und die Schleimhautschwellung können die Atemwege behindern. Auch die Augen sind gereizt, gerötet und tränend. In seltenen Fällen kann es zu einem trockenen Husten und Asthmaanfallen kommen.

Behandlung

A. Vermeidung des Allergens

Eine solche kann Umstellungen im Ernährungs-, Berufs- oder Wohnbereich erforderlich machen. Manchmal genügt es, ein Medikament abzusetzen, in anderen Fällen muss man sich von einem Haustier trennen. Bei Hausstauballergien ist die Vermeidung aller Allergene praktisch unmöglich. Produkte zur Beseitigung von Milben, häufiges Abstauben und der Verzicht auf Teppiche und Stoffdekorationen bewirken jedoch schon eine erhebliche Verbesserung. Milben vermehren sich insbesondere in einer warmen, feuchten Umgebung. Es kann deshalb sinnvoll sein, die Luftfeuchtigkeit mit Hilfe einer Klimaanlage zu senken.

B. Symptomatische Behandlung

Antihistaminika

Die Antihistaminika Anti-Hl verhindern die Freisetzung der entzündungsauslösenden Mittlersubstanzen durch die Mastzellen. Die meisten Antihistaminika verursachen jedoch Schläfrigkeit, da ihre Fettlöslichkeit ihnen erlaubt, vom Blut in die Hirnflüssigkeit überzutreten, wo sie das Zentralnervensystem dämpfen. Neuere Antihistaminika der „zweiten Generation“ wie zum Beispiel Terfenadin oder Astemizol blockieren wie alle Antihistaminika die Hl-Rezeptoren, dringen jedoch nicht ins Gehirn ein und wirken deshalb nicht sedativ.

Vasokonstriktorische Medikamente (Sympathomimetika)

Diese gefässverengenden Substanzen werden häufig mit Antihistaminika kombiniert. Sie stimulieren die Alpha-Rezeptoren und erlauben so ein rasches Abschwellen der Nasenschleimhaut. Phenylpropanolamin, Phenylephrin oder Pseudoephedrin sind in vielen entzündungshemmenden Antihistaminika-Präparaten enthalten. Oral eingenommene Sympathomimetika können den Blutdruck erhöhen.

Substanzen zur Stabilisierung der Mastzellen

 Örtlich angewendetes Cromoglicin-Dinatrium blockiert die Reaktion des Allergens mit der Mastzelle und verhindert somit die Ausschüttung der symptomverursachenden Mittlersubstanzen.

Lokale Kortikosteroide

Wirkstoffe wie Beclometason-Dipropionat sind stark entzündungshemmend. Dank ihrer schwachen Dosierung in Sprayform sind damit keine der von oralen Kortikosteroiden bekannten Nebenwirkungen (Wasserretention, Kalziumabbau in den Knochen) zu befürchten.

Desensibilisierung

Kann das Allergen nicht beseitigt oder können die Allergiesymptome mit Medikamenten ausreichend kontrolliert werden, kann eine Desensibilisierung oder Immuntherapie Abhilfe schaffen. Dabei wird dem Patienten das betreffende Antigen in steigenden Dosen unter die Haut gespritzt. Der Wirkungsmechanismus dieser Therapie ist nicht genau bekannt. Forscher haben die Hypothese aufgestellt, dass die vermehrte Bildung eines anderen Immunglobulintyps (IgG) wie eine Art Antikörper wirkt, der das IgE blockiert. Bei Allergien auf Pollen, Staub, Schimmel, tierische Ausscheidungen und Gifte zeitigt diese Behandlung sehr erfreuliche Ergebnisse. Hingegen kann bei Nahrungsmittelallergien keine Desensibilisierung erreicht werden.

Spülung der Nasenhöhlen

Die tägliche Spülung der Nasenhohlen mit isotonischer Kochsalzlösung ist eine ausgezeichnete Prophylaxe. Damit kann die Nasenhygiene verbessert und die Nasenschleimhaut gestärkt werden. Solche Spülungen wirken abschwellend, beseitigen Schleimansammlungen und befreien somit die Atemwege. Ausserdem erlauben sie, nebst Allergenen auch die Erreger von Schnupfen und Nebenhohlenentzündungen auszuschwemmen.

Ernährungsmedizin

Einige Vitamine und Spurenelemente eignen sich bestens als Ergänzungsbehandlung. Mangan hat eine stark allergiehemmende Wirkung. Eisen, Zink und Selen sowie die Vitamine A, C und E sind in zweifacher Hinsicht interessant: Sie steigern unsere natürliche Immunität und schützen uns gleichzeitig gegen Umweltgifte.

Homöopathie

Bei Heuschnupfen muss mit der Prävention etwa drei Monate vor der Blütezeit begonnen werden. Wöchentlich wird eine Einheitsdosis von Pollens, Allium cepa, Euphrasia und Lungen-Histamin in der Potenz 9 CH eingenommen. Der Nasenausfluss der akuten Phase kann unabhängig vom betroffenen Allergen mit Allium cepa, Naphtaiinum oder Kali iodatum 5 CH behandelt werden, während Euphrasia 5 CH (Augentrost) die Entzündung der Augen hemmt. Die Dosierung beträgt jeweils mehrmals täglich drei Globuli.

Organtherapie

Nasenschleimhaut 7 CH und Nebennierenrinde 7 CH (abwechslungsweise dreimal wöchentlich, während Monaten) haben eine wirksame unterstützende Funktion.

Rita Ducret-Costa
Chefredakteurin von vitamag®, Pharmazeutin mit Abschluss an der Universität von Bologna, Ernährungswissenschaftlerin und Homöopathin.

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